Blia
Modell der Blia im Museum von Scalloway | ||||||||||||||||||||
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Die Blia war eine norwegische Quatze, die im November 1941 auf einer Fahrt mit Flüchtlingen in der Nordsee verloren ging. Der Untergang der Blia, bei dem 43 Menschen ums Leben kamen, war das größte Einzelunglück des Shetland Bus.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Quatze Blia wurde 1929 bei der Farsund Treskipsbyggeri in Farsund im Auftrag der Brüder Ingebrigt und Jan Lerøy und der Gebrüder Strusshamn gebaut. Das knapp 17 Meter lange Boot wurde zum Lebendfischtransport eingesetzt und verkehrte zwischen Smøla und Bergen. 1939 wurde das Boot mit einem 55 PS starken Wichmann-Motor ausgestattet, der etwa 9 Knoten Fahrt erlaubte.[1] Während der deutschen Besatzung Norwegens waren mehrere Mitglieder der Familie Lerøy im Widerstand, und die Blia wurde zum Transport von Flüchtlingen genutzt. Am 15. März 1941 startete die erste von Jacob Njøten organisierte Fahrt der Blia von Glesvær aus zu den Shetland-Inseln. An Bord befanden sich 20 norwegische Flüchtlinge und Widerstandskämpfer, zur Schiffsmannschaft gehörten der junge Steuermann Ingvald Lerøy (ein Neffe von Jan Lerøy) und Arne Lerøy, der Bruder von Halvard Lerøy, dessen Fischexport später zur Lerøy Seafood Group wurde. Die Flüchtlinge waren am selben Tag mit einem regulären Schiff von Bergen angereist und wurden direkt am Kai in Glesvær von der Blia aufgenommen. Die Blia erreichte zwei Tage später problemlos den Hafen von Lerwick und wurde Teil des Shetland Bus, einer Flotte kleiner Fischereifahrzeuge, die mit den Alliierten einen organisierten Schiffsverkehr zwischen Norwegen und Shetland aufrechterhielten.[2] Im Mai erfolgte eine weitere Fahrt, bei der zwei britische Agenten und zehn Flüchtlinge transportiert wurden. Insgesamt absolvierte die Blia drei Fahrten im Frühjahr 1941, bevor die Transporte in den hellen Sommermonaten vorübergehend ausgesetzt wurden.[1]
Unglücksfahrt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im November kehrte die Blia von ihrer Basis auf Shetland nach Norwegen zurück, als Skipper fungierte erneut der 21-jährige Ingvald Lerøy, auch Arne Lerøy war Teil der insgesamt siebenköpfigen Besatzung. Mannschaft und Boot hatten den Auftrag, den norwegischen Agenten Bernhard Håvardsholm aus Øklandsvågen in der Gemeinde Bømlo abzuholen[3] und Maschinenteile der Motorenfabrik Wichmann zu transportieren. Da es der Gestapo gelungen war, einige der Widerstandsorganisationen des Vestlandet, darunter die Stein-Organisation, zu zerschlagen, suchten zudem viele verfolgte Widerständler nach einer Fluchtmöglichkeit, darunter Billy Forthun und mehrere weitere Stein-Mitglieder.[2]
Die Nachricht von der Ankunft der Blia am 11. November 1941 ließ daher eine größere Anzahl von Widerständlern und anderen Flüchtlingen in Øklandsvågen zusammenkommen, als das Boot zu transportieren im Stande war. Der Andrang war so groß, dass Bernhard Harvårdsholm mit gezogener Waffe die Gangway blockierte, um weitere Menschen am Betreten des Schiffs zu hindern. Andere, insbesondere alle Frauen und Kinder, wurden zum Verlassen des Schiffes aufgefordert, doch nicht alle kamen dem nach, und drei Frauen verblieben an Bord, da ein gewaltsames Entfernen nicht in Erwägung gezogen wurde. Statt der geplanten 20 Passagiere gingen schließlich 36 an Bord, so dass die kleine Blia mit insgesamt 43 Personen weit überbelegt war. Etwa genauso viele Personen blieben an Land zurück, darunter 14 Frauen mit teilweise kleinen Kindern, was die lokale Bevölkerung vor Unterbringungsprobleme stellte.[3]
Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt selbst in Küstennähe rau und über dem Atlantik herrschte ein Orkan. Jan Lerøy hatte bereits zuvor gewarnt, dass die Blia aufgrund ihrer Bauart und des schweren Motors zu tief im Wasser liege und daher nicht bei schwerem Wetter in der Nordseeschifffahrt eingesetzt werden dürfe. Dennoch legte die Blia in den Abendstunden des 11. November ab. In den nächsten Stunden wurden über der Nordsee Windgeschwindigkeiten bis zu 160 km/h registriert und das Wetter besserte sich erst Tage später wieder. Die Blia erreichte die Shetland-Inseln nicht, es wird vermutet, dass sie bereits kurz nach dem Auslaufen sank.[2] Das Wrack wurde nie gefunden, erst 1984 wurde bei Gulen, etwa 130 Kilometer nördlich der Ablegestelle, eine Planke mit den eingeritzten Buchstaben BLIA gefunden. Ob dieser Fund tatsächlich zur Blia gehörte, ist jedoch unklar.[4]
Alle Menschen an Bord der Blia kamen ums Leben. Das Unglück stellt den größten Einzelverlust in der Geschichte des Shetland Bus dar, während dessen Operationen insgesamt 18 Boote sanken und 158 Menschen ertranken.
Nachwirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte der Blia ist unter anderem in den Ausstellungen des Scalloway Museum, des Nordsjøfartmuseet in Telavåg und des Schifffahrtsmuseum Bergen dokumentiert. In der Nähe der Kirche von Bremnes wurde 1991 ein Gedenkstein mit den Namen aller beim Unglück umgekommenen Menschen, 40 Männern und drei Frauen, errichtet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Endre Heggen, Martin Stavland: Martin minnest dei som var med: englandsfarten frå Bømlo 1940-1945. 1992, S. 73–80, Blia-tragedien (norwegisch).
- Jan P. Jansen: Norske klassiske skip. Firkløveren Samlerselskapet, 1981, Kap. 4, S. 45–50, BLIA (norwegisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- M/K Blia, Schiffsinformation und technische Daten bei sjohistorie.no
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Jan P. Jansen: Norske klassiske skip. Firkløveren Samlerselskapet, 1981, Kap. 4, S. 45–50, BLIA (norwegisch).
- 1 2 3 Endre Heggen, Martin Stavland: Martin minnest dei som var med: englandsfarten frå Bømlo 1940-1945. 1992, S. 73–80, Blia-tragedien (norwegisch).
- 1 2 Andrew Orr: The Flight of the Vikings. Daring Escapes in Small Boats from Nazi-Occupied Norway, 1940-45. Pen & Swords, ISBN 978-1-0361-0372-9, S. 177–178 (englisch, google.de).
- ↑ Dokumentation des Blia-Fundstücks im Digitaltmuseum
