| Journal�
April 1999 Heft 2/99 |
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| Goethe wiederentdeckt
Das verlorengegangene Denkmal der Universit�tsbibliothek. Foto: S�chsische Landesbibliothek, Abt.
Deutsche Fotothek
Wohl jeder in Leipzig kennt das Goethe-Denkmal auf dem Naschmarkt. Kaum bekannt ist hingegen, da� es in der Stadt schon vor diesem ein �berlebensgro�es Standbild des Dichters gab. Es ging im Zweiten Weltkrieg verloren, und man hatte keine rechte Vorstellung mehr von seinem Aussehen. Rechtzeitig zum Goethejahr konnte jetzt eine brauchbare Aufnahme des Bildwerks aufgefunden werden, nach der nun sogar die M�glichkeit seiner Rekonstruktion gegeben w�re. Denn die Sandsteinfigur geh�rte einst mit sieben weiteren Statuen zum Bauschmuck der von Arwed Ro�bach 1887�91 errichteten Universit�tsbibliothek in der Beethovenstra�e, deren Wiederaufbau wir gegenw�rtig erleben. Seinen Platz hatte der Goethe � zusammen mit einer Statue Lessings � am Hauptgescho� der Westseite, zur Grassistra�e hin. Das Programm f�r den Skulpturenschmuck der Bibliothek hatte Ro�bach � sicher unter Ma�gabe zust�ndiger Beh�rden � aufgestellt; danach entstanden 1888 Modellskizzen der vorgesehenen Bildwerke, die zun�chst einer vom Kultusministerium ernannten Sachverst�ndigenkommission zur Beurteilung vorgelegt werden mu�ten. Nach diesen plastischen Skizzen waren Gipsmodelle in halber Gr��e der endg�ltigen Fassung herzustellen, die schlie�lich unter Aufsicht der entwerfenden K�nstler von der Leipziger Bildhauerwerkstatt C�llen und Fr�nzel bis zum 1. September 1889 in Stein �bertragen wurden. Damit kam in Leipzig Goethe erstmals in ganzer Figur �ffentlich auf das Piedestal. Aufgefa�t war die Statue schon vergleichbar dem erst vierzehn Jahre sp�ter errichteten Denkmal auf dem Naschmarkt � allerdings ohne dessen frappante Lebendigkeit zu erreichen und auch ohne rechte Wiedererkennbarkeit im Physiognomischen. Die hier wiedergegebene Aufnahme vom Mai 1933 zeigt die Figur allerdings nicht mehr an der Bibliotheksfassade, sondern in erst kurz zuvor realisierter denkmalhafter Aufstellung am Boden (und somit ihrer urspr�nglichen Funktion eines auf Fernwirkung berechneten Bauschmucks enthoben): Sie stand damals auf dem schmalen Gr�nstreifen zwischen Gehweg und Hofmauer in der Grassistra�e, gegen�ber dem Konservatorium f�r Musik. Entworfen hat das Goethe-Standbild der aus Westfalen stammende Melchior zur Strassen (1832�1896), einer der letzten Rauch-Sch�ler. Er lehrte in Leipzig seit 1875 an der Kunstakademie und war erster Leiter des 1874 er�ffneten Kunstgewerbemuseums. Mit ihm hatte es erstmals seit Adam Friedrich Oesers Zeit wieder eine akademische Ausbildung von Bildhauern in Leipzig gegeben. Aus dieser Schule ging eine Gruppe von K�nstlern hervor, die das Bild Leipzigs um 1900 mitpr�gten; zu ihnen geh�rte auch Carl Seffner, der Sch�pfer des Naschmarkt-Denkmals. Beide Leipziger Standbilder Goethes sind auf vielf�ltige Weise mit der Universit�t verbunden. Als sinnf�llige Zeichen der Goethe-Rezeption in Leipzig spielen sie eine Rolle auch in der Ausstellung "Goethes Universit�t", die gegenw�rtig im Ausstellungszentrum Kroch-Haus zu sehen ist, sowie in dem begleitenden Katalog. Anne Spitzer/Stefan Voerkel |
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