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Der Palastbezirk am Pelusischen Nilarm (Areal H)

von Manfred Bietak
• Die sp�te Hyksoszeit. Ph. D/2 (Str. e/2)
• Installationen der fr�hen 18. Dynastie
• Ein Palastbezirk aus der Tuthmosidenzeit Ph. C3-2� (Str. d-c)
• Die minoischen Wandmalereien
• Ein Hiatus, die Festung des Haremhab and Ramessidische Friedh�fe

Am Westrand des alten Avaris, am Ostufer des �stlichsten Nilarmes fand sich in Grabungen von 1990 bis 2007 in stratigraphischer Abfolge ein umwallter Bezirk (Abb. 1). Dieser l�sst sich von von der sp�ten Hyksoszeit bis zur Zeit Amenophis’ II. und nach einer Unterbrechung erneut von der Amarnazeit bis zum Beginn der Ramessidenzeit verfolgen (Abb. 2). Auf diesem Platz l�sst sich eine lokale Tradition von Pal�sten feststellen, welche von der Hyksoszeit in die 18. Dynastie und schlie�lich in die Ramessidenzeit reicht. Dieser Befund ist der Schl�ssel zum Verst�ndnis einer fast kontinuierlichen� Entwicklung von der Hyksoshauptstadt Avaris bis zur Deltaresidenz der Ramessiden mit dem Namen Pi-Ramesse.

Abb. 1 Abb. 2

Die sp�te Hyksoszeit. Ph. D/2 (Str. e/2)ˆ

In der sp�ten Hyksoszeit schuf man durch Ablagerung gro�er Mengen and Erd- und Sandmaterial am Ostufer des Nilarmes Neuland, das der Stadt im Westen ein neues Gebiet f�r� gro�e Bauprojekte bescherte. Davor gab es in diesem Areal nur �rmliche H�tten und ein paar Bestattungen. Schilfh�tten sehen wegen ihrer systematischen Machart wie Unterk�nfte von Bauarbeitern aus, die man f�r das kommende Gro�projekt ben�tigte.
����������� Der Bezirk der sp�ten Hyksoszeit (ph. D/2), bestand, soweit durch Grabung erschlossen aus folgenden Elementen (Abb. 1):
����������� 1. Die �berreste einer gro�en Befestigungsmauer (A), welche entlang des Nilarmes verlief. Sie war aus Lehmziegeln 6,20 m (12 Ellen) breit errichtet und besa� in regelm��igen Abst�nden von 35 Ellen Bastionen. Die Fortsetzung dieser Mauer konnte mehrere Hundert Meter nach Nordosten anhand der Ergebnisse des Magnetometer Surveys verfolgt werden.
����������� 2. S�dlich dieser Umfassungsmauer fand sich ein ausgedehnter Garten mit regelm��ig gesetzten Baumgruben (Abb. 2); dazwischen fanden sich reglm��ig gesetzte Serien von Blument�pfen, in die man Setzlinge in den Boden gesenkt hatte. Das System der Baumgruben und Blument�pfe weist die gleiche Orientierung wie die Umfassungsmauer auf. Weitere Gartenrelikte wurden noch 200 m s�dlich der Umfassungsmauer angetroffen. Handelt es sich hier um die in der Kamosestele II erw�hnten G�rten des Apophis?
����������� 3. Ziemlich genau 200 Ellen s�dlich der gro�en Umfassungsmauer fand sich eine zweite ca. 3 m breite, parallele Umfassungsmauer mit einer Torbastion (Abb. 3). S�dlich dieser wurde ein plattformartiger Unterbau mit Kastenmauerwerk 31,5 x 27,1m (60 x 52 cubits) freigelegt. Dieser Bau wurde sp�ter um weitere 38 Ellen nach Westen erweitert so dass er� eine L�nge von �ber 50 m erreichte. Auf der Oberfl�che dieser Erweiterung fanden sich Reste eines Pflasters und von Mauern eines Baues auf dieser Plattform. Seine Funktion konnte nicht gekl�rt werden. M�glcherweise von der gleichen Umfassungsmauer fanden� sich �berreste entlang der Westflanke des Bezirkes. Diese Mauer war mit einem Kastenmauerwerk konstruiert, das entlang seiner Innenseite eine Verteidigungsplattfom besa�.
����������� 4. Der eigentliche Palast konnte bisher nicht entdeckt werden. Es fand sich jedoch westlich des vorhin besprochenen Plattform-Geb�udes C eine Wasserleitung (Abb. 4A/4B), welche aus Kalksteinspolien sehr sorgf�ltig gemauert und mit einer dicken Lehmschicht abgedichtet worden war. Diese Leitung f�hrte vermutlich von einem Brunnen in der Niln�he zum Palast. Die Verfolgbarkeit dieser Wasserleitung ist durch tiefreichende Mauern aus der Zeit des Neuen Reiches beeintr�chtigt; sicherlich f�hrte sie zu einem Palast. Dieser d�rfte jedoch weitgehend durch den El-Didam�n-Kanal, meist jedoch Sama’ana-Kanal genannt, zerst�rt worden sein.
����������� 5. Zum Palastbezirk z�hlt auch noch ein Herrenhaus (Abb. 5), das mit gepflasterten Fu�b�den und S�ulen ausgestattet war. Die W�nde besa�en linearen Schmuck in Form von Streifenbemalung, welche offenbar Wandteppiche imitierte. Manche Fragmente scheinen Relikte von aufgemalten Hieroglyphen zu besitzen. Viele blaue Putzfragmente d�rften von Deckenbemalung stammen. Breite rote Streifen umrahmten vermutlich T�r�ffnungen.
����������� Innerhalb dieses Bezirkes fanden sich auch k�nigliche Inschriften aus der Hyksoszeit, leider aus sp�teren oder sekund�ren Fundzusammenh�ngen. Darunter war der linke R�rpfosten aus Kalkstein eines bisher unbekannten Hyksos namens Seker-her bzw. Sikru-Haddu (Hadad dachte an ihn) (Abb. 6); ferner kam ein Stelenfragment eines �ltesten K�nigssohnes des Chian namens Janassi-id (Abb. 7) und ein Hausaltar mit den Namen des Hyksos Apophis du seiner Schwester Tani aus dm Aushub eines Kanals zum Vorschein.
����������� Dieser mutma�liche Palastbezirk d�rfte erst in der sp�ten Hyksoszeit errichtet worden sein, da unter seinen Fundamenten Bichrome Ware gefunden wurde, die nach den sonstigen Fundzusammenh�ngen vor Ort erst in der sp�ten Hyksoszeit auftaucht.
����������� S�dlich des Bezirkes fand sich eine gro�e Fl�che mit Siedlungszusammenh�ngen die von der Hyksoszeit bis in die 18. Dynastie reichen d�rften.

Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4a Abb. 4b
Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7

Installationen der fr�hen 18. Dynastieˆ

Zwischen dem mutma�lichen Palastbezirk der Hyksos und jenem der Tuthmosidenzeit gibt es mindestens zwei Besiedlungsschichten der fr�hen 18. Dynastie. Die fr�here (ph. D/1.2 = str. e/1.2) fand sich in den Arealen H/III und H/VI-S�d (Abb. 1). Sie bestand aus einer Umfassungsmauer, die noch als Umfassung des Palastbezirkes der Tuthmosiden diente und� �ber hundert Jahre bis zum Ende der Regierungszeit von Amenophis II. intakt blieb. Innerhalb dieser Einfriedung wurden Reste eines Palastes entdeckt, der in einem Saal eine Pflasterung aufwies, der jedoch tief unter dem Grundwasser und von den Mauern des Tuthmosidenpalasters zerhackt nicht n�her verfolgt werden konnte. Der Grossteil des Bezirkes bestand, soweit bisher untersucht, aus zahlreichen Rundsilos aus Schlammziegeln, die jeweils einen Durchmesser von 10 Ellen aufwiesen und in Zonen zusammengefasst waren. Sie dienten wohl der Ausr�stung und� Verpflegung von gro�en Menschenmengen, vermutlich von Truppen. Die Silos wurden bis zu viermal erneuert, was f�r eine l�ngere Dauer dieser Schicht spricht. Der Bezirk wies auch Magazinbauten mit gepflasterten B�den auf.
����������� Von besonderer Bedeutung ist der Umstand dass in dieser Schicht wie auch in der darauf folgenden weiterhin der Brauch ge�bt wurde, Relikte kultischer Mahlzeiten in Gruben zu verscharren, wie wir das von der Hyksoszeit kennen. Da auch die keramische Produktion in den typischen Hybridformen der Mittleren Bronzezeit und der �gyptischen Kultur ungebrochen weiterging, darf man den Schluss wagen, dass ein erheblicher Teil der asiatischen Bev�lkerung in Avaris zur�ckgeblieben ist und nur ein Teil abgewandert oder gefl�chtet ist. Wohl wurde der gr��te Teil der Stadt nach der Eroberung durch die Thebaner verlassen und die zur�ckgebliebenen Wohnh�usern mit den eingebauten Gr�bern gepl�ndert, doch ist davon auszugehen, dass ein gro�er Anteil der asiatischen Bev�lkerung, auf den sich die Hyksosherrschaft einst st�tzte in neuen Ansiedlungen der Umgebung untergebracht wurde. Dass man sich jedoch mit diesen Schichten im Neuen Reich befindet geht aus der Einfuhr ober�gyptischen Mergel A Tons und thebanischer Silices hervor – beides Artikel, die in der Hyksoszeit nicht mehr aus Ober�gypten ins Delta gelangten.
����������� Die zweite Phase aus dem fr�hen Neuen Reich (D/1.1 = str. e/1.1) besteht aus Lagerfeuerpl�tzen, Pfostengruben und aus Grubengr�bern von meist jungen M�nnern (Abb. 2, 3). Nach dem Anthropologen Karl Grosschmidt, Univ. Wien, besteht ein erheblicher Anteil der Bestatteten aus Nubiern. Funde von Kerma-Keramik, darunter auch Kocht�pfe, lassen auf Soldaten schlie�en, die w�hrend der Kriege dieser jungen Dynastie in Obernubien zu Rekrutierungen von Kriegsgefangenen aus Kerma gef�hrt haben d�rften. Dieser Umstand d�rfte auch zu Disziplinproblemen gef�hrt haben, da neben normalen Einzelbestattungen auch systematisch angelegte multiple Bestattungen au�erhalb der Friedhofseinfriedung auftreten, bei denen die Beigesetzten in Bauchlage und gegenst�ndig beerdigt vorgefunden wurden. Auch Massenbestattungen bei denen die Verstorbenen in enge Gruben hineingepfercht wurden treten auf (Abb. 4). Dieser Befund l�sst auf Exekutionen schlie�en, wobei der schlechte Erhaltungszustand der Skelette eine Diagnose der T�tung durch Hinrichtungen trotz des Befundes einzelner Verletzungen nicht eindeutig m�glich macht. In einem Fall allerdings waren zwei m�nnliche Bestattungen in Bauchlage auf der Sohle eines tiefen runden Schachtes unter etwa 300 zerschmetterten Tongef��en und zahlreichen Steinen angetroffen worden, was nur durch eine Exekution erkl�rt werden kann.

Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4

Ein Palastbezirk aus der Tuthmosidenzeit Ph. C3-2 (Str. d-c)ˆ

Etwa auf demselben Areal wie der Palastbezirk der sp�ten Hyksoszeit fand sich ein 5,5 ha gro�er Palastbezirk aus der Tuthmosidenzeit (Abb. 1). Er besteht aus einer Umfassungsmauer aus Lehmziegeln die teilweise die Umfassung der fr�hen 18. Dynastie der Phase D/1.2 mit verwendet. Die beiden bedeutendsten Elemente sind ein gro�er Palast G und ein mittelgro�er Palast F, die im Abstand von 150 Ellen (78,75 m) zueinander errichtet wurden. Zwischen den beiden befand sich ein gro�er rechteckiger k�nstlicher See (Abb. 2).
����������� Beide Geb�ude waren auf �ber 7 m hohen Plattformen aus Kastenmauerwerk errichtet und �ber Rampen von der Nordostseite her zug�nglich. Der Bezirk war von einer Umfassungsmauer (H) eingefasst welche in der Mitte ihrer Nordseite einen mit Pylon versehenen Eingang aufwies. Vor dem Aufgang zum gro�en Palast G gab es einen zweiten gesonderten Zugang mit Porticus. S�dlich des gro�en Palastes G lag noch ein weiteres palastartiges Geb�ude, das ebenfalls auf einer Plattform mit Rampe errichtet worden war.
�����Zwei Phasen k�nnen f�r den Bezirk unterschieden werden. Die fr�here Phase (C/3) besteht aus der Umfassungsmauer H, den Pal�sten F, G, dem See und� dem Palast J. Aus dieser Zeit stammt die Ausschm�ckung der Pal�ste F und z.T. G mit minoischen Wandmalereien (s.u.). Diese Phase datiert auf Grund der Keramik in die erste H�lfte des 15. Jh. v. Chr., vermutlich in die fr�he Regierungszeit Tuthmosis III. Die Umfassungsmauer H und die Pal�ste F und G werden auch in der j�ngeren Phase C/2 verwendet. Palast G erhielt im Nordwesten und im S�dosten innere Einfriedungsmauern. Palast J �wurde nunmehr durch eine gro�e Werkstatt (W2) (Abb. 3) mit angeschlossenen B�ros und Magazinen ersetzt. Eine weitere Werkstatt (W1)(Abb. 4) wurde gegen die Umfassungsmauer nahe des Zuganges zum gro�en Palast G errichtet. Dort fanden sich zwei B�ndel mit insgesamt �ber 140 �g�ischen Pfeilspitzen aus Bronze (Abb. 5A/5B), was zeigt, dass die Werkst�tten auch der milit�rischen Produktion dienten. In beiden Werkst�tten fanden sich Bimssteine – gr��tenteils von der minoischen Eruption von Thera – in gr�sserer Menge und in der Werkstatt W2 enthielt der Sandboden bis zu 10% Bimsstein-Abrieb.
�����Die Wandmalereien waren inzwischen von den W�nden gefallen (s.u.) und wurden vermutlich durch einen besser geeigneten Lehmverputz ersetzt, der im Palast G ebenfalls Wandmalereien aufwies, die aber auch nicht lange an den W�nden hielten.
����������� S�dwestlich des Palastes F errichtete man nahe der s�dlichen Umfassungsmauer Magazine (K), in denen sich neben Keramik, darunter auch zyprische Importkeramik, auch Fayence-Pl�ttchen und Fig�rchen fanden. Die Keramik datiert diese Phase in die sp�te Regierungszeit Tuthmosis III. und Amenophis II. (2. H�lfte des 15. Jh. v. Chr.).
����������� Gegen die inzwischen verwitterte Nordostseite des Palastes F wurde ein Geb�udekomplex (I) errichtet, der mehrfach ver�ndert und erweitert wurde (Abb. 6). Auch hier handelt es sich vermutlich um Werkst�tten, da auch hier viele Knollen von Thera-Bimsstein sowie Geschosse aus Kalzit, Steingef��e und Gipskristalleinlagen gefunden wurden. Keramische Studien datieren auch diese Anlage in die sp�te Regierungszeit Tuthmosis III. und Amenophis II.
����������� S�dwestlich des Palastbezirkes zeigt der geophysische Survey eine dicht verbasute Stadtanlage, die der Orientierung nach aus der Zeit des Neuen Reiches stammen d�rfte. Ausgrabungen im Jahr 2007 zeigten jedoch, dass die Belegung dieses Areas mit der Hyksoszeit begonnen hat und sich m�glicherweise ungebrochen bis in die Zeit der 18. Dynastie fortsetzte. Nord�stlich des Palastbezirkes zeigt der geophysische Survey eine weitere Einfriedung und Bauten (N), die als Magazine gedeutet werden k�nnen.

Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3
Abb. 4 Abb. 5A Abb. 5B Abb. 6

Als n�chstes erfolgt eine n�here Beschreibung der drei Hauptelemente des Palastbezirkesˆ

����������� 1. Von Palast F im Area H/I (Abb. 7A/7B) ist nur der Unterbau in Form eines Kastenmauerwerks erhalten. Er misst 135 x 90 Ellen (c. 70,5 x 47 m) was einem Verh�ltnis von 1,5� zu 1 entspricht. Die meisten Compartements waren mit Erde vermisch mit Keramik angef�llt, um eine solide Plattform herzustellen. Der Bau schneidet in die Umfassungsmauer der Hyksoszeit und st�rt auch Bestattungen der fr�hen 18. Dynastie (der Phase D/1.1). Zu dieser Zeit d�rfte die Umwallung der Hyksoszeit bereits zur Baumaterialsgewinnung abgetragen worden sein, da die Palastumfassungsmauer die Hyksos-Mauer kreuzt. Am Fu�e der Rampe fanden sich vor �ber 100 Jahren (E. Naville 1895) Granitbl�cke eines Tores von Amenemhet I., die wohl sekund�r als Eingangstor dieses Palastes verwendet worden waren. Es ist nicht klar, ob dieses Tor am Beginn der Rampe oder f�r das Portal am oberen Ende der Rampe verwendet worden war (Abb. 8A/8B).
����������� Als Parallele f�r unseren Palast kann der „S�dpalast“ von Deir el Ballas (Abb. 9), herangezogen werden, der 200 x 90 Ellen gross, in seinem s�dlicheren gehobenen Bereich sehr dem Palast F �hnlich sieht. Er ist noch ca. 7 m hoch erhalten und gibt einen Hinweis, dass unser Palast F als Bau auf einer gehobenen Plattform zu rekonstruieren ist. Das System des Kastenmauerwerks gibt uns einen Hinweis in welcher Art und Weise man sich hinsichtlich seiner Raumeinteilung unseren Palast F vorstellen kann. Seine Rekonstruktion ist jedoch infolge seines ungew�hnlichen Grundrisses wesentlich schwieriger als die der anderen beiden Pal�ste. Die Rampe f�hrt von Nordosten in einen rechteckigen, nicht quadratischen Hof, in den sp�ter ein Eingangsportikus eingebaut wurde. Der quadratische Hof befindet sich im Zentrum des Baues. Vermutlich war er mit umlaufenden Kolonnaden ausgestattet. F�r die Abdeckung des �ber 10 Ellen tiefen Umganges m�sste Zedernholz verwendet worden sein.� Der Weg zum Zentralhof k�nnte �ber die Mitte seiner Nordwand oder auf einem Umweg �ber die Dreierkombination von R�umenam Nordwestende des Eingangshofes erfolgt sein. Der Zentralhof mit seinem Umgang war an drei Seiten von zus�tzlichen korridorartigen� Raumelementen umgeben. Im s�dlichen Abschnitt gibt es ein engeres Gitterwerk von Kastenmauern, wobei die n�rdlichste Reihe breiter als die n�chsten beiden Reihen ausf�llt. Wenn man den Grundri� des gro�en Kahun-Hauses �ber dieses ‚Gitterwerk legt, kommt man zu einer sinnvollen Rauml�sung mit einem Empfangs/Thronraum mit vier S�ulen im Zentrum, einem Nebenraum mit 2 S�ulen im Osten und Nebenr�umen wie Waschraum, Toilete oder Schlafraum im Westen.� Der Umstand, dass das hintere Schiff weniger breit als die anderen Raumstreifen w�re, braucht nicht verwundern, da man im Obergeschoss den Raum �ber die Krone der breiten Grundgeschoss-Mauer erweitern konnte und den S�dwestabschlu� des Raumes mit einer schm�leren Mauer bewerkstelligen konnte.� In drei Ecken des Baues finden wir Treppenkorridore, nur nicht im Eck des Eingangsbereichs.

Abb. 7A Abb. 7B Abb. 8A Abb. 8B Abb. 9
����������� ˆ2. Der grosse Palast G (Abb. 10) im Areal H/II, III und VI misst 320 x 150 Ellen (168 x 78,75 m. Er ist nahezu vollst�ndig ausgegraben und durch den geomagnetischen Survey weitgehend erfasst. Er zeigt �hnlichkeiten zum „Nordpalast“ von Deir el Ballas was sich in der gleichen Abfolge des Raumprogrammes und der Abfolge von l�nglichen Fundamentierungsr�umen zeigt, die reihenweise im rechten Winkel zueinander stehen. Erhalten sind nur die f�nf, acht oder 10 Ziegel (2,15-4,30 m) starken Lehmziegel-W�nde, die nur enge Unterr�ume ohne Durchg�nge einschlie�en. Diese hatten keine B�den und waren entweder mit Erdreich angef�llt oder durch Gew�lbe �berbr�ckt um eine gro�e �ber 7 m hohe Bauplattform zu schaffen. Nur der �stliche und der s�dliche Raumstreifen waren begehbar und als Magazine, Keller und B�ros sowie f�r Aufg�nge genutzt. In diesen Magazinen fand sich neben keramischen �berresten auch Pfeilspitzen aus Bronze und Silex. Die Repr�sentations- und Wohnr�ume befanden sich im oberen Gescho�.
����������� Der Palast wurde anhand des Grundgeschosses auf Grund der Differenzierung in dicke und d�nnere Mauern rekonstruiert. Die dicken Mauern waren die Tr�germauern, die d�nnen Mauern kamen als Tr�ger f�r S�ulenreihen in Frage (Abb. 11A/11B). Als hilfreich erwies sich auch die bekannte Raumkonfiguration der bekannten �gyptischen Palastarchitektur des Neuen Reiches (Abb. 9/12), die sich auch in der Raumfolge der Fundamentierungsmauern wieder fand. Der Zugang zum Palast war durch eine Rampe gew�hrleistet, die bei einer Neigung von 1:5 bei einer L�nge von 70 Ellen zu einer Rampenh�he von genau 7,35 m (14 Ellen) f�hrt. Der Fu� der Rampe f�hrt im Bereich der Basisebene an einem Badezimmer mit mindestens 2 Steinwannen vorbei. Unmittelbar nach dem Bad und an dem Fu� der Rampe war sekund�r ein enger Aufgangskorridor eingebaut, der in die linke H�lfte des Palastes f�hrte. Es handelt sich offenbar �hnlich wie im Kahun-Haus um den engen Zugang des Dienstpersonals in die links von dem breiteren Hauptzugang.
����������� Das Raumprogramm beginnt mit einem gro�en quadratischen Hof, der zur Nordostseite (der Zugangsseite) zu offen und zu beiden Seiten von Kolonnaden ges�umt war. An seiner Hinterseite befand sich eine dreireihige Portikus. Dahinter begann mit einer besonders dicken Mauer der eigentliche Palast mit einem quer gelagerten breiten Vestib�l mit zwei S�ulenreihen. Nunmehr erfolgte eine ungew�hnliche Zweiteilung des Palastes mit einer quadratischen Halle von 55 x 55 Ellen (28,8 x 28,8 m) mit vier S�ulenreihen in der linken Palasth�lfte, hier handelte es sich gewiss um den Thronsaal. Eine etwa gleich gro�e Raumkonfiguration ist in der rechten Palasth�lfte zu erkennen. Diese weist eine verd�chtige �hnlichkeit mit der typischen Raumfolge der Zeit Tuthmosis III. auf. Die Eingangswand dieses Elementes� war durch eine weitere Wand verdoppelt worden. Die magnetischen Eigenschaften der Ziegel zeigen deutlich, dass in dieser angef�gten Wand ein nicht tragender Korridor vermutlich eine Treppe vom Thronraum auf das Dach enthalten war. Dieser Umstand gibt der dicken Eingangswand ein pylonartiges Aussehen. Dahinter befindet sich ein dreigeteiltes Element, wobei der mittlere Raum nicht breiter als die anderen beiden war, was ebenfalls der Raumverteilung tuthmosidischer Tempel entspricht. Der �stliche Raum ist der breiteste und d�rfte, wenn wir die tuthmosidischen Tempel als Richtlinie verwenden, in den hinteren quer gelagerten Raum gef�hrt haben, der somit als das hintere quer gelagerte verborgene Sanktuar der Tuthmosiden-Tempel in Betracht kommt (Abb. 13).
Abb. 10 Abb. 11A Abb. 11B Abb. 12 Abb. 13
����������� ˆDie Identifizierung dieser Raumfolge in der rechten Palasth�lfte als Tempel w�rde auch aus anderen Gr�nden Sinn machen. Der Thronsaal in dem linken und nicht zentralen Teil des Palastes ist ungew�hnlich, da es sich um die geringere Seite des Baues handelt, wie man u.a. aus dem Studium der Kahun-H�user mit den Dienerkorridoren an der linken Seite des Geb�udes erkennen kann. Wenn man jedoch eine Gottheit neben dem K�nig innerhalb des Palastes wohnen l�sst, erg�be das Raumprogramm einen Sinn. Tempel innerhalb von Pal�sten sind bisher in �gypten nicht belegt. Dieser Brauch ist jedoch bei mesopotamischen Pal�sten wohlbekannt. Er bedeutet, dass die Gotheit beim K�nig wohnt. Da in Tell el-Dab‘a auch viele andere nah�stliche Z�ge von der Hyksoszeit ins Neue Reich �berleben, k�nnten auch religi�se architektonische Z�ge aus dem nahen Osten in �gyptische architektonische Ideen umgesetzt wurden. Dass das Leben Seite and Seite mit der mit der Gottheit auch im Laufe des Neuen Reiches auch in �gypten Fu� gefasst hat, kann man anhand der domestischen Architektur der gro�en Herrenh�user in Tell el-‘Amarna (Abb. 14A/14B) nachweisen, wo h�ufig Seite an Seite mit dem Wohnhaus eine solare Kapelle errichtet wurde, die manchmal das Ausma� eines Tempels erhalten konnte.
����������� Hinter dem Thronsaal ist der gro�e intime Bereich des Palastes durch die dickste Mauer des gesamten Palastes abgeschottet. In diese sind von der R�ckwand des Thronsaals Nischen oder T�ren untergebracht worden, wie der magnetische Survey anhand der geringeren Belastung des Ziegelmaterials zeigt. T�ren w�rden in den privaten Bereich f�hren, der auch �ber einen Nebeneingang von der S�dostseite des Palastes mit Treppenkorridoren zug�nglich war. Dieser Nebeneingang d�rfte auch Zugang zu Kellerr�umen unter dem Privattrakt gehabt haben, in dem auch Relikte von Pfeilspitzen und anderen Waffen aus Bronze gefunden wurden. Von diesem Keller f�hrte auch eine Art Wendeltreppe in den Wohntrakt des Palastes. Hinter dem mutma�lichen Tempel ist innerhalb des Privattraktes auch ein dreischiffiger Raum, der mit zwei S�ulenreihen ausgestattet war, untergebracht. Dieser f�hrt in drei kleine schreinartige R�ume und man muss sich die Frage stellen, ob sich der Tempel parallel zu den k�niglichen Gem�chern nicht in einen intimen dreigeteilten Schrein fortsetzte.
����������� Wichtig ist die Beobachtung, dass die zwei Zug�nge zum Palast, die Rampe und der Nebeneingang in die Intimr�ume an Badezimmern (Abb. 15A/15B) vorbeif�hrten die mit Steinwannen und zahlreichen Tongef��en ausgestattet waren. Vor allem stechen da Kr�ge der zyprischen Bichrome Wheelmade Ware (Abb. 16A/16B) ins Auge, die als handliche Wasserkr�ge in Luxusausf�hrung dienten. Offenbar musste sich jeder, der den Palast betrat, einem Reinigungsritual unterziehen.
Abb. 14A Abb. 14B Abb. 15A Abb. 15B
Abb. 16A Abb. 16B
����������� ˆ3. S�dlich des Palastes G ist in der fr�heren Belegungsphase des Palastbezirkes ein eigener kleinerer Palast (J) errichtet worden, der ca. 40 E (= 21 m) Breite ma� (Abb. 10/11A). Seine L�nge betr�gt 57,50 m (ca.110 E). Er war normal zum Hauptpalast Ost-West orientiert Er weist im gro�en und ganzen die gleichen Elemente wie der gro�e Palast G auf was f�r die Rekonstruktion beider Anlagen sehr lehrreich war.� Eine Rampe f�hrte zu einem fast quadratischen Hof, der nur auf einer Seite mit einer Kolonnade ausgestattet war, da auf der anderen Seite nur knapper Raum f�r die Einm�ndung der Landung vorhanden war. An der R�ckwand des Hofes befand sich eine einreihige Portikus. Nach einem quergelagerten Vestib�l mit nur einer Reihe von S�ulen folgt der Empfangsraum mit zwei S�ulenreihen. Dahinter ist der private Teil des Baues dessen Raumteilung aus dem Erdgescho� als privater Sitzraum, Schlaf- und Badezimmer und einer dahinter liegenden Loggia gedeutet werden kann. Dieser Palast besitzt ebenfalls einen Nebeneingang der an einer Wasch-Installation vorbeif�hrte, die allerdings auch f�r Geschirr verwendet wurde. Davon war ein ganzer Satz in situ im aussen angef�gten Becken zur�ckgeblieben.
����������� 4. �stlich des gro�en Palastes G wurde 2005 und 2007 ein gro�es �ffentliches Geb�ude (L) (Abb. 17) ausgegraben, das mit einer eigenen� Verbindungst�r zu dem privaten Nebeneingang des grossen Palastes G Zugang hatte. Der gr��te Teil dieses �ffentlichen Baues war zu ebenen Erde und war mit Ziegeln gepflastert und darauf mit einem Kalkbelag versehen. Es besa� in seinem S�den einen gro�en gepflasterten Raum oder Hof von fast 30 x 25 m. Dieser Raum war von einer doppelten Mauer umgeben, die m�glicherweise eine F�llmauer gewesen war. Dieser Raum hatte von Osten her einen Eingang. Nach Norden zu war ein Badezimmer, abermals mit Steinbecken und einem Krug der Bichrome Wheelmade Ware versehen, angef�gt. In einem Nebenraum fand sich ein kleines rundes gestucktes Podium. Ein Gang f�hrt nach Norden. Entlang seiner Ostwand sind Magazine untergebracht. Das weitere Raumprogramm im Norden ist einstweilen schwierig zu interpretieren und d�rfte ebenfalls wie der Palast auf h�herer Ebene auf einer Plattform angelegt gewesen sein. . Der Bau d�rfte bereits in seiner ersten Phase zur Zeit des Str. d errichtet worden sein. Allem Anschein nach k�nnte es das Geb�ude des Verwalters dieser Stadt in der Tuthmosidenzeit gewesen sein, der mit dem Inhaber des Palastes G eng zusammen arbeitete. Beim Betrachten der gesamten Anlage hat man den Eindruck, dass mit diesem Komplex eine Replik des Residenzpalastes, wahrscheinlich in kleinerer Form vorliegt. Die Gesamtanlage mit den Pal�sten G und F wurde zur gleichen Zeit geplant und errichtet, wie man an dem exakten Abstand von 150 Ellen zwischen den Geb�uden F und G nachvollziehen kann, die beide auch die gleiche Orientierung aufweisen und ihre Eingangsrampen beide im Nordosten aufweisen.
Abb. 10 Abb. 11A Abb. 17

Die minoischen Wandmalereienˆ

�����������Eine der bedeutendsten Entdeckungen im Zusammenhang mit diesem Palastbezirk waren Tausende von Putzfragmenten aus Kalk, die mit minoischer Malerei bedeckt waren. Sie stammen aus den beiden Pal�sten F und G und k�nnen Stratum d (Ph. C/3) zugewiesen werden.
����������� Zwei Drittel aller Fragmente – darunter die Szenen mit Stierspringern und Stierringern – k�nnen Palast F zugewiesen werden. Sie fanden sich in Schutthaufen, welche am Fu�e der Aufgangsrampe und am Fu�e der Landung abgelagert worden waren (Abb. 1/2). Die Fragmente waren offensichtlich die Rampe hinuntergeworfen oder hinunter getragen worden sein. Kein einziges Fragment fand sich in den F�llungen des Kastenmauerwerks der Plattform und auch nicht in den Fundamentgr�ben. Auch am Fu�e der Rampe des gro�en Palastes G kamen Fragmente von Wandmalereien zu Tage welche gr��tenteils durch ein Tor der Umfassungsmauer H getragen wurden und auf dem Vorplatz des Palastes geleert worden waren. Leider wurde der Gro�teil wohl durch den hier vorbeif�hrenden Entw�sserungskanal zerst�rt. Unter der Landung der Rampe des Palastes G kamen auch Malereien auf Lehmputz zum Vorschein, die dort hinab geworfen worden waren. Diese Malereien zeigten auch �gyptische Motive
����������� Da beide Pal�ste aus Lehmziegeln auf alluvialem Untergrund errichtet worden waren, ist nach unseren Erfahrungen mit 10-15 Jahren Setzungsprozessen zu rechnen, die ein baldiges Abfallen des unelastischen Hartputzes zur Folge gehabt haben mussten. Die Datierung der Herstellung der Fresken innerhalb der relativchronologischen Phasen� des Palastes kann anhand des Anbaues der Geb�ude/Werkst�tten (I) an die Rampe des Palastes F ermittelt werden. Diese Bauten datieren in die sp�tere Phase des Palastes (Ph. C/2) k�nnen in sich selbst in drei Unterphasen gegliedert werden, welche anhand von Skarab�en und Keramik in die zweite H�lfte der Regierung Tuthmosis’ III. und in die Regierung Amenophis’ II. datiert werden k�nnen.
Die fr�hesten Ablagerungen der Freskenfragmente fanden sich �ber Schutt, der die fr�heste Phase dieser mutma�lichen Werkst�tten bedeckte. Das w�rde bedeuten, dass die Fresken sp�testens am Anfang der sp�teren Phase des Palastes von den W�nden gefallen waren, d.h. sehr wahrscheinlich in der fr�heren Phase (C/3) auf die W�nde aufgetragen worden waren. Dieser Umstand kann vielleicht damit erkl�rt werden, dass die Putztechnik, die aus der �g�is stammt und auf Steinw�nden oder zumindest auf W�nden aufgetragen worden war, die auf Felsuntergrund standen. Man k�nnte in diesem Fall von einem Technologie-clash zwischen Weicharchitektur und Hartputz sprechen. Eine andere Erkl�rung w�re, dass die Malereien nur f�r einen einmaligen kurzen Anlass hergestellt worden waren.
����������� Das Studium und die Rekonstruktion der Fresken wird noch eine lange Zeit in Anspruch nehmen, da nur etwa 5-8% des urspr�nglichen Wandprogramms in Fragmenten erhalten ist. Die Technik der Malerei ist �g�isch. Die ersten Farben wurden auf die noch feuchte Oberfl�che aufgetragen. Der Putz wurde auf aufgerauhte Lehmziegelw�nde aufgetragen und war hochgradig komprimiert. Er bestand aus einer Mischung von Kalk und Partikel aus Murex-Schnecken. Die gleiche Technik in Malerei und Putz ist auch aus Knossos, Thera und anderen Fundst�tten bekannt. Eine Werkstatt mit aus Lehmziegel gemauerten Becken, in denen der Kalkputz anger�hrt und mit Schilfmatten abgedeckt, feucht gehalten wurde, konnte au�erhalb der Umfassungsmauer des Palastbezirks am Ufer des Nils gefunden werden. Die Muster der Malerei wurden mit einem Netzwerk aus Schnurabdr�cken in die noch feuchte Putzoberfl�che geplant. Die Farbkonventionen sind typisch minoisch wie Blau statt Grau oder Blau statt Gr�n. Ebenso waren die Motive und der Stil der Malereien typisch minoisch.

Abb. 1 Abb. 2
����������� Am leichtesten lie� sich ein �ber 5 m langer Fries mit Stiersprung und Stierringer-Szenen rekonstruieren (Abb. 3) da ein Teil des Hintergrundes aus einem Labyrinthmuster bestand. Der obere Hintergrund ist rot, was typisch f�r die erste Phase der sp�ten Palastzeit ist. Der Fries ist in zwei H�lften gegliedert, die durch einen segmentierten Musterstreifen und einer dar�ber befindlichen Palme getrennt sind. Beide H�lften haben Fragmente f�r je 4 Stiere, doch ist das eine minimale Rekonstruktion. Es w�re m�glich, dass es auch mehr waren. Der rechte Teil mit dem Labyrinth-Hintergrund besitzt zwei blau gefleckte Stiere und zwei r�tlichbraun gefleckte Stiere. Ebenso wurden Fragmente von mehreren gelben Akrobaten und einem wei�en Akrobaten gefunden. Letzterer d�rfte gr��er als die anderen Akrobaten gewesen sein, was eine Parallele zu den Akrobaten des Taureador-Frieses in Kosseos darstellt. Nur sind dort die anderen Akrobaten r�tlichbraun. Die gelbe Hautfarbe der Akrobaten auf diem Labyrinth-Fries stellt daher nach unserem bisherigen Wissen eine Anomalie dar.� Der linke Teil des Frieses besitzt zwei schwarz gefleckte und zwei r�tlichbraun gefleckte Stiere, wobei die schwarze Farbe urspr�nglich blaue Farbe zu �berdecken scheint. Auch hier fanden sich Fragmente von Akrobaten und in einem Fall eine ganze Darstellung. Alle hatten r�tlichbraune K�rperfarbe und trugen wie die Akrobaten auf dem rechten Fries Schn�rschuhe.
����������� Besonders bemerkenswert ist der Halbrosettenfries an der Basis des Teils des Frieses, der mit dem Labyrinth-Hintergrund ausgestattet ist. Es handelt sich um das Emblem des minoischen Palastes und war wohl urspr�nglich auf den Palast von Knossos begrenzt. Von gleicher Bedeutung sind Fragmente eines oder zweier gro�er emblematischer Greife (Abb. 4/5), die die gleiche Gr��e wie die Greife beiderseits des Thrones von Knossos aufwiesen. Ihre Iknonographie mit den h�ngenden Spiralen auf den Fl�geln ist typisch minoisch. Wie in Knossos k�nnten sie den Thron der „Herrin der Tiere“, d.h. der K�nigin, die n�tige Co-notation verliehen haben, wie mehrere prominente Spezialisten der �g�ischen Bronzezeit (H. Reusch, W.-D. Niemeier, N. Marinatos u.a.) vorschlagen. Der oder die emblematischen Greife im Palast F waren daher mit h�chster Wahrscheinlichkeit� beiderseits eines Thrones angebracht. Da sich auch Fragmente von L�wen (Abb. 6A/6B) oder Leoparden fanden (Abb. 7A/7B), ist anzunehmen, dass diese Darstellungen jenen der Greife folgten. Der Thronraum des Palastes F passt auch am ehesten als Rahmen f�r eine Fu�bodenmalerei mit Labyrinthmuster (Abb. 8/9).
�������������� Der Mangel an �gyptischen k�niglichen Emblemen und die Pr�senz� minoischer k�niglicher Embleme sowie die Fragmente einer mindestens lebensgro�en Figur einer minoischen Dame mit Reifrock und blauen(silbernen) doppelten Kippfu�reifen (Abb. 10) lassen daran denken, dass die minoische Wandgestaltung in beiden Pal�sten die Residenz und die rituelle Hofhaltung einer minoischen Pers�nlichkeit k�niglichen Ranges diente. Als wahrscheinlichstes Scenario bietet sich die Hypothese an, dass hier der Sitz einer ausl�ndischen Gemahlin eines K�nigs der fr�hen Tuthmosidenzeit vorliegt. Die Auswertung der Keramik und die Siegel machen die fr�he Regierungszeit Tuthmosis III. wahrscheinlich. Das ist auch die Zeit, in der in thebanischen Gr�bern Delegationen von Keftiu auftreten. Andere Motive waren Jagdszenen, bei denen J�ger mit Hunden Huftiere verfolgen. Es gibt auch die Darstellung von L�wen, die Huftiere, darunter ein Stier, jagen. Andere Friese zeigen Leoparden, die auf Damwild hinabspringen. Solche Darstellungen entspringen der minoischen Idologie der Hierarchie in der Natur. Weiters gibt es Ritualdarstellungen mit einem Mann, der in ein eine Schulter bedeckendes Gewand geh�llt ist und vor einer Steinfassade steht. Zur gleichen Darstellung d�rfte ein laufender Akrobat geh�ren. Auch hier bildet die Steinfassade den Hintergrund. Es gibt aber auch lebensgro�e Darstellungen von m�nnlichen und weiblichen Figuren sowie Kompositionen mit Landschaften, darunter auch typisch kretische Felsen zeigen, in die diese Jagdszenen zu integrieren sind. Zur Ausschm�ckung z�hlten Friese mit den typischen laufenden Spiralen, stilisiertem Efeu und anderen typisch minoischen Motiven. Vermutlich in dem zentralen Hof des Palastes F oder in einer Eingangs-Portikus desselben untergebracht waren Stuckreliefs mit Stieren. Im Bereich des Palastes G kamen Stuckreliefs von einem Mann mit ausgestrecker Hand mit Stab und einer wei�h�utigen Figur in Stiefeln sowie H�rner von einem Akrimi (?) zum Vorschein.
Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6A Abb. 6B
Abb. 7A Abb. 7B Abb. 8 Abb. 9 Abb. 10

Ein Hiatus, die Festung des Haremhab and Ramessidische Friedh�feˆ

Nach der Regierung Amenophis’ II. d�rften die Pal�ste und wahrscheinlich der Gro�teil der Stadt aus unbekannten Gr�nden verlassen worden sein. Die Pal�ste wurden abgetragen, vermutlich um Baumaterial f�r neue Projekte zu gewinnen. Von diesen haben wir allerdings erst Befunde von der sp�ten Regierungszeit Amenophis III., der Amarna- und der Post-Amarna-Zeit. S�dlich des tuthmosidischen Palastbezirkes wurde eine Festung errichtet, die einstweilen nur im geophysischen Survey ausgemacht wurde. Sp�ter vergr��erte Haremhab diese Festung� weit nach Nordosten, sehr wahrscheinlch um das Hafenbecken zu sch�tzen (Abb. 1). Zur gleichen Zeit rekonstruierte dieser K�nig den Seth-Tempel, der entweder ebenfalls verlassen oder in der Amarna-Zeit verw�stet worden war. Es ist sehr wahrscheinlich w�hrend der ersten Festungsphase, vor der Regierung des Haremhab, dass Hirten die fast abgetragenen Ruinen der tuthmosidischen Pal�ste und deren Umgebung als Zufluchts- und Lagerst�tte benutzten und hier ihre eingegangenen Jungtiere von Schafen und Ziegen begruben. Auch verstorbene erwachsene Tiere wurden hier mit gro�er Sorgfalt auf eine Seite gebettet und orientiert beigesetzt was verwunderlich ist. Diese Sorgfalt k�nnte erkl�rt werden, wenn man annimmt, dass es sich um eine Menmenet Herde eines Tempels handelt und dass die Tiere daher einer Gottheit geh�rten.
����������� Von dem Inneren der Festung des Haremhab ist infolge des rezenten landwirtschaftlichen Einebnungsverfahrens nichts erhalten, wenn man von Fayence und Kalzit-Kacheln absieht, die auf einem Haufen beisammen gefunden wurden. Dieses Areal war jedoch� in der Zeit der 19. Dynastie als Begr�bnisst�tte verwendet worden (Abb. 2/3). Die Grabsch�chte schnitten tief in die tuthmosidischen Palaststrukturen ein. Die Bestattungen waren verschieden ausgestattet. Es gab Tonsakophage (Abb. 4) mit und ohne Gesichtsmasken. Der Gro�teil der Leichen war jedoch in Schilfmatten eingewickelt beigesetzt worden, wobei man offensichtlich nicht mehr erkannte wo die Ober- und wo die Unterseite des Leichnams war. Viele Bestatteten lagen daher in Bauchlage. Es gab auch viele Bestattungenohne besonderen Schutz, welche in ausgestreckter Position auf dem R�cken lagen (Abb. 5). Ihre Orientierung war vor allem O-W mit dem Sch�del im W oder N-S, mit dem Sch�del im S. Es gab auch Kinderbestattungen in zweihenkeligen Vorratsgef��en aus Mergelton. Die Bestattungen waren nur mit wenigen Beigaben oder mit keinen Beigaben ausgestattet. Manche hatten Perlen und Amulette am Hals und besonders bemerkenswert ist der wiederholte Fund von Skarab�en in der linken Hand der Bestattung. Hier k�nnte es sich um einen lokalen Brauch handeln, der durch �berlebende der Hyksoszeit weiterhin ausge�bt wurde.
Diese Friedh�fe wurden bereits von F. Ll. Griffith 1895� beschrieben, als die Erhaltungsbedingungen in der Gegend viel besser waren. Nach seiner Schilderung waren diese Gr�berfelder ausgedehnt, was darauf schlie�en l�sst, dass das Areal von cEzbet Helmy vorwiegend aus Ruinen bestand, die in der Ramessidenzeit als Bestattungsplatz genutzt worden waren. Die Hafenanlagen m�ssten sich auf die Nordostseite des gro�en Beckens oder �berhaupt auf einen anderen Teil des alten Avaris verlagert haben. Das Gel�nde wurde jedoch auch in der Sp�tzeit als Siedlung genutzt von der man nur mehr Vorratsgruben mit gro�en zweihenkeligen Vorratsgef��en aus der Zeit der 27. Dynastie findet.

Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5
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