Bedenkt man, dass der Biber (Castor fiber) im Jahr 1846 in Baden-Württemberg ausgerottet wurde, so ist es mehr als nur erfreulich, dass er heutzutage mit ganz viel Glück bei einem Dämmerungsspaziergang im Sport- und Freizeitpark Markwasen gesichtet werden kann. Denn dort lebt seit 2021 in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum der auf den Namen „Mark“ getaufte Biber. In seine eigens gebaute Biberburg ist bereits ein Biberweibchen eingezogen. Inzwischen sind die beiden sogar schon Eltern geworden.
Der Sport- und Freizeitpark Markwasen mit seinen Gewässern ist ein gutes Revier für einen Biber. Während das Gelände tagsüber von Sportlerinnen und Sportlern sowie Erholungs- und Freizeitsuchenden genutzt wird, beginnt der „Biber-Triathlon“ der dämmerungs- und nachtaktiven Tiere erst zu späterer Stunde. Dann stehen Schwimmen, Bäume annagen und Dämme bauen auf dem Programm.
Diese Aktivitäten führen bisweilen zu ungewollt nassen Füßen der zweibeinigen Parknutzerinnen und Parknutzer, wenn durch den Anstieg des Wasserpegels die Laufbahn überschwemmt wird. Was auf den ersten Menschenblick nachteilhaft aussehen mag, ist jedoch aus ökologischer Sicht als äußerst wertvoll einzustufen. Durch Biberaktivitäten entstehen neue, strukturreiche Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten. Biberdämme verlangsamen den Wasserabfluss. Das stellt eine natürliche Form des Hochwasserschutzes dar. Die Aufstauungen erhöhen zudem den Grundwasserspiegel, wovon die Landwirtschaft in Trockenperioden profitiert.
Die Stadtverwaltung und die Stadtentwässerung Reutlingen sowie der im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde ehrenamtlich tätige Biberberater sind daher immer wieder aufs Neue gefragt, entsprechende Lösungsansätze zu entwickeln, auszuprobieren und je nach Reaktion der Biber zu optimieren.